gern

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Dieser Zeit hab ich wieder Mal recht wenig Energie. Mit einem lieben Menschen auf die Berge gehen füllt zwar den Energiespeicher sehr mit Sonne, aber irgendwie ist die Kapazitär des Speichers nicht gross und nicht lang danach ist die Sonnen- und Zusammen Erleben Energie schon wieder aufgebraucht.

Heute bin ich nach der Arbeit nach Hause und fühlte schon traurig, dass die Kraft nicht reicht.

En passant sms'lete ich nebenbei mit einem guten Freund. Ich hätt ihn gern gesehen, aber er war auf Reise und als ein letztes Email klingelte hatte ich das Gespräch mental schon abgeschlossen. Der Vollständigkeit halber schaute ich noch auf das SMS. Mein Freund schlug etwas vor, das ich nicht erwartet hatte. Gern!

In diesem Moment, in welchem das "Gern" die Welt erblickte, änderte sich meine Verfassung. Meine Mundwinkel hoben sich an zu einem Lächeln.

Es ist schon erstaunlich, wie wenig man sich auch nach einem Leben von 47 Jahren versteht. Wie wenig man einschätzen kann in welchem Zustand man eigentlich ist. Wie schlecht man beurteilen kann, welches denn die eigenen momentanen Bedürfnisse sind.

Es ist ja nicht so, dass diese Verfassung in der grössten Tiefe der Nacht des Winters unerwartet wäre.

Es scheint fast so als wäre eines der Grundprinzipien des Hirns sich der Vernunft zu entziehen, als lebenswichtiger Schutz des Lebewesen vor dieser Vernunft um die Fluidität und Anpassungsfähigkeit des Hirns zu bewahren.

Einmal mehr erscheint mir das Paradox das bewegende Prinzip und also die Quelle des Lebens zu sein. Die Spannung zwischen unvereinbaren Gegensätzen, welche das Wesen dazu zwingt auf der Hut zu sein und andauernd seine im Moment und aktuellen Kontext optimale Position zwischen den extremen zu suchen.

Im Moment, da diese Position auf ewig gefunden ist hört das Paradox auf zu existieren. Die Lösung ist gefunden, das Leben versteinert an diesem statischen Punkt in dieser vollkommenen Form.

Das ewige Leben. Wär ergo einerseits ein Pleonasmus. Andererseits ist es die Definition der Hölle - ein nie angekommen sein, nie Frieden. Und Drittens ist es als ein solches Paradox und Leben erst ertragbar und als Paradies wahrnehmbar, wenn es in vollständiger Hingabe als ewiges, nie stehendes, nie fest definiertes, nie ganz kontrollierbares und beherrschbares als wahr angenommen wird.

Ein Wunder, dass Regeln in diesem unendlichen existieren, an denen sich das Leben und die Vernunft des Menschen festhalten können.

Gern. Die Liebe zum Leben.

Tomáš Pospíšek, 2016-12-30

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