Jogging ist Meditation

Jogging ist Meditation

Letzthin hatte ich Besuch und der hat Jogging als so doof, dass es ihn aufregt empfunden.

Deshalb möchte ich erläutern, was Jogging für mich ist.

Ich bin ein alter Käse, hab mir früher als Kind im Turnunterricht bei Langstreckenläufen halb die Lunge dem Körper gekotzt. So ein Scheiss! Und die ganzen Jogger hab ich auch immer als voll bescheuert empfunden.

Nun kam letzthin Katalin zu mir und fand, sie möchte gern ausdauernder werden. "Komm. dann gehen wir doch joggen" meinte ich. Und das war der Anfang meiner bisher 3 Mal joggen gehen.

Joggen ist Rennen und Rennen unterscheidet sich vom Laufen dadurch, dass es einen Moment zwischen den Schritten gibt, in welchem keiner der beiden Füsse Bodenkontakt hat. Man fliegt also.

Darüber hinaus hat Joggen in meinen Augen keine weitere definierbare Charakteristik. Das Geheimnis meines Joggens besteht darin, nur so schnell oder langsam zu joggen, dass man ohne anzuhalten weiterjoggen kann.

Es geht also nicht darum mich zu töten.

Wenn man so am Joggen ist, ist man in einem Rhytmus, der dadurch reguliert ist, dass man seine Beine nicht überansprucht. Tack, tack, Atem, tack, tack, Atem, tack, tack, Atem.

Der Atem synchronisiert sich mit dem Beinrhythmus, so, dass er genug Energie nachliefern kann.

Es geht also ums Atmen. Und da wären wir bei der Meditation. Der Geist ist konzentriert darauf zu schauen, dass die Last auf den Beinen im grünen Bereich ist, und dass der Atem nach mag mit Energie zuführen. Damit man nicht aus dem Rhythmus fällt und dadurch z.B. anhalten muss und dadurch den Flow unterbricht, muss die Aufmerksamkeit konstant auf diesen Rhythmus konzentriert bleiben.

Obwohl stetig, ist die Anforderung an die Konzentration gering. Die Aufmerksamkeit kriegt diese Aufgabe quasi mit links hin. Obwohl also gebunden, ist der Geist bei einer solchen Art Joggen frei. Genau wie beim Zazen.

Tomáš Pospíšek, 2016-01-01

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