Georgien, Türkei

Georgien, Türkei

Wir waren in Serbien, dann der Türkei (Bulgarien haben wir durchfahren), dann in Georgien, dann in Aserbeidjan und dann wieder zurück in der Türkei.

Wenn ich mit Freunden sprach, dann stäubten sich manchen die Nackenhaare: "was Ihr fährt in die Türkei, oh Gott, willst Du das nicht besser lassen?". "Was Aserbeidjan?!". "Georgien (war da nicht Mal ein Krieg mit...)".

Ich selbst mal mir jeweils aus, was alles schlimmes passieren könnte in einem Land, von dem ich im vornherein noch nichts weiss ... und dann kommen wir mit Angstschweiss da an und ... es passiert nichts, die Leute sind freundlich.

Das ist bisher nach wie vor, eine der grössten Erkenntnisse: die Menschen sind überall freundlich.

Aber wer weiss, was nicht ist kann ja noch werden, vielleicht warten die bösen Menschen noch auf unserem Weg auf uns.

Aber was heisst böse? Dass man seine eigenen Interessen über die der anderen stellt? Dass man anderen schadet? Dass man Freude hat am Schaden, am Schmerz, am Leid der anderen? Dass man nicht hinschaut?

Manchmal frag ich mich, wieviele Menschen jeder von uns Menschen im Westen schon indirekt via Ressourcenkonsum getötet hat. Wenn die USA eine Invasion in den Irak machen, damit die Ölzufuhr in den Westen stabil bleibt? Wenn in Afrika die Zivielbevölkerung zwischen die Fronten im Kampf um seltene Erden gerät, welche für unsere Handys benötigt werden. Wenn Ölkonzerne ganze Landstriche verwüsten, Kriege mitfinanzieren und Regierungen korrumpieren. Wieviele Tote pro Kopf macht das?

Ist es böse, wenn Juden an der Grenze abgewiesen werden? Oder wenn der Souverän bestimmt, dass Menschen ohne Pass kein Recht auf Einreise oder Asyl haben? Oder wenn wir wissen, dass wir unseren Konsum- und Komfortrausch auf Kosten unserer Kinder und aller folgenden Generationen ausleben und trotzdem nach wie vor Vollgas geben?

Ich hoffe, dass wir weiterhin überall, in allen Ländern, die wir besuchen, freundliche Menschen antreffen werden.

Tomáš Pospíšek, 2014-02-05

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