Weltreise: Istambul-Terme

Weltreise: Istambul-Terme

Istambul

Istambul hat den Kindern sehr, sehr gefallen. Wir haben die wunderschöne Blaue Mosche, Aya Sofia, Topkapı, und die Zisternen besucht. Alles herausragende, interessante Bauwerke.

Die Aya Sofia, welche heute von Wachen mit Maschinengewehren bewacht wird, enthält sowohl grosse Jesus, Maria und Engelsbilder, als auch islamische Inschriften. Was für eine grossherzige Toleranz da Mal geherrscht hatte...

Aber am meisten hat den Kindern wohl die Lebendigkeit der Stadt gefallen. In den Einkaufsstrassen der "Einheimischen" der Altstatt geht alles drunter und drüber, es werden Enten verkauft, gebratene Maiskolben, es hat Strassen mit Schuhläden, Strassen mit Schraubenläden, Strassen mit Elektronikläden...

Nach ein Paar Tagen verliessen wir Istambul in Richtung Schwarzmeerküste.

Safranbolu

Zuerst durch flaches Gebiet, dann durch hügelige, bergige, meist menschenleere Gegenden kamen wir in dem bekannten Safranbolu an. Im September hat's in der Türkei praktisch keine ausländischen Touristen mehr - pro Tag sehen wir vielleicht einmal ein ausländisches Nummernschild - aber es immer überall ein wenig türkische Touris, und so waren in den Gässchen die hübschen Läden, welche verschiedene handwerkliche Nipes anbieten geöffnet.

Die Kinder waren überglücklich über zwei handgemachte, hölzerne Ninjaschwerter, mit denen sie die nächsten Paar Tage ohne grössere Verletzungen und Streit kämpften.

Von Safranbolu gelangt man durch wunderbare, an die Schweiz erinnernde Berglandschaften langsam zum Meer und zur im Bau befindlichen Autobahn.

WILLE ZUR AUTOBAHN

Diese Autobahn ist in der Folge über lange Strecken direkt am Meer gebaut. Man fährt am Meer, was sehr schön ist, alle Städte sind rechts, fast perfekt vom Meer abgetrennt, und links ist das Meer.

Und da es zwischen Autobahn und Meer nur aufgeschüttete Steinblöcke hat, hat es auch kaum je Platz zum Halten oder zum Verweilen. Ziemlich unglaublich, wie radikal die Türkei Ihren Tourismus und den Bezug der Küstenbewohner zum Meer auszulöschen scheint.

Aber zwischen Amasra und circa Inebolu existiert die Autobahn zum Glück nur in Teilen und man hat noch die Gelegenheit die Küste ohne Autobahn zu sehen.

Dafür ist das Fortkommen in diesem Bereich ein wenig abenteuerlich: perfekte Strassen auf denen man entspannt 80 fahren kann verwandeln sich abrupt in ungeteerte Pisten mit Schlaglöchern, wo sich kaum zwei Autos kreuzen können.

Ducato

Wir kamen in einem sehr schönen Mikrocamping in Akkonak unter, mit wunderbarer Aussicht auf's Meer. Am Tag danach fing es an zu regnen und es blieb so die nächsten zwei Tage.

Vor der Reise war ich zufriedener Besitzer eines VW Syncro. Es stellte sich aber heraus, dass er nicht mehr genug Druck auf zweien seiner vier Zylinder hatte. Ein neuer Motor oder eine Motorrevision würden um die 5000 Franken aufwärts kosten. Das war mir zu viel und ich schaute mich, etwas zu spät vor der Reise, nach einem anderen Camper um und fand über ricardo.ch einen Fiat Ducato an dem "alles ausser dem Boiler" funktionieren sollte. Da ich ziemlich unter Druck war etwas fahrbares aufzutreiben nahm ich ihn und es stellte sich heraus, das eigentlich fast nichts funktionierte einschliesslich der Tatsache, dass das Auto nicht mehr dicht war - und also der Regen durchs Dach reinströmte.

In Serbien hatte ich die morschen Holzteile ersetzt und Teile der Aussenwände mit Silikon gedichtet.

Nun regnete es also zum ersten Mal richtig und wir sahen, wo das Auto noch nicht so dicht war... zum Glück war's nicht so schlimm wie vor der Reparatur, wo ein einziger richtig guter Regen in Serbien locker einen Kochtopf Wasser in den Camper hineinspülte.

entlang dem Schwarzen Meer

Gewitter, Sonne, Wellen in Cide.

An einer Tankstelle empfahl man uns nicht weiter an der Küste entlangzufahren, sondern via Kastamonu fahren, was nominel wohl der doppelten Strecke entsprach. Es war schon späterer Nachmittag und es regnete. Wir fuhren auf einer breiten, guten Hauptstrasse direkt von der Küste hoch hinauf, über Pässe, duch Wälder, wunderbare Bergtäler mit Almen und Berdörfern und es wurde dunkel und kalt und Taisto wollte, dass wir wieder bei einer Tankstelle (und nicht wild, irgendwo) übernachten, und so fuhren und fuhren wir aber es kam keine Tankstelle und plötzlich ging es wieder abwärts, und wieder etwas wärmer und da waren wieder die Gewitter und man sah die Wolken von Blitzen erleuchtet und eine Tankstelle ... und wir waren direkt an der Küste. Kurve rein, Gulf, Handbremse anzgezogen und schlafen gegangen.

Kinder schulen

Während der langen Fahrt hatte Taisto den Kinder- Weltatlas gelesen, darüber, wie man die Erde auf Karten abzubildet und ich hatte ihm zu erklären versucht, wie dadurch die Proportionen völlig verzerrt werden.

Fast jeden Tag (auch Sonntag und Samstag) mache ich mit den Kindern 1.5 - 3h Schule: Rechnen, Lesen und Schreiben mit Katalin und dazu Englisch und Französich mit Taisto. Naturkunde ist übergreifend, d.h. wir lesen z.B. im Kinder Weltatlas oder über Themen auf die wir stossen und Taisto schreibt was drüber, oder wir reden über das Gelesene.

Daneben noch Aufräumen, Putzen, Auto reparieren, Kochen und essen und - Reisen - unterzubringen ist nicht leicht.

Games

Die Kinder hatten vor der Reise ein iPad bekommen, dass sie sobald irgendwo Internet vorhanden ist, mit Games füllen. Der Sog dieses Geräts auf die Kinder ist katastrophal stark. Am Anfang hatten die Kinder jede Minute die zur Verfügung stand mit Gamen verbracht. D.h. aufwachen und sich noch vor dem Pinkeln oder Essen an das Gerät kleben. Danach optimalerweise Cola oder Glacé.

Die Kinder von diesem Gerät wegzukriegen war ein sehr harter Kampf. Die Ausreden, sich wieder ans Gerät zu hängen waren sehr vielfältig (Fotos machen, Fotos bearbeiten, Skype, etwas noch fertig runterladen, Sachen finden, die auch mir was nützen könnten (Landkarten), und so weiter). Mitlerweile ist die Zeit pro Kind auf 45 Minuten pro Tag beschränkt (was heisst, dass während das eine gamet das andere zuschaut, also total 1:30h) und erst nach der Schule erlaubt.

Der Tagesablauf ist also Aufstehen, Bett verräumen, Morgenessen, Schule und danach freie Strukturierung inklusive Gamen.

Baden

Irgendwo nach Catalzeytin endet das Gebirge, das der Küste entlang verlief und die Küste wird flach, lässt die Autobahn ungehindert ihre gerade Linie durchs Land und Dörfer ziehen und lässt neben der Gigantomanie auch noch natürliche, im September menschenleere Strände zu. Das Wasser ist immer noch angenehm warm und so waren wir jeden Tag im Meer. Sinop, Bafra, Samsun, teils sehr grosse Städte von denen in Europa niemand was gehört hat, teils arm und ziemlich abgefuckt, zum Teil erstaunlich wohlhabend und gepflegt.

Tomáš Pospíšek, 2013-09-13

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