Weltreise: Schaffhausen-Istanbul

Weltreise: Schaffhausen-Istanbul

Nun sind wir also am Reisen.

Aufbruch

Wir sind auf Schulanfang aufgebrochen und haben zuerst eine Vorrunde gemacht: wir haben, bevor wir gehen, einige Freunde besucht - zum letzten Mal Alain umarmen, zwei Tage mit Fritz auf dem Haselboden sein, zu Tobi im wunderbaren Stans und unsere befreundete Familien Erika, Thomas, Linda, Leo und Margritte, Marc-André und Sascha in Bern sehen.

Und danach gings nach Südosten, durch den Gotthard, Airolo, an den schönen Tessiner Seen vorbei. Auf irgendeinem Autogril Parkplatz in der Region von Bergamo haben wir dann übernachtet.

Am nächsten Tag - in der Schweiz hatte der Herbst schon mit kühlen Morgen und Abenden angefangen - gings weiter mit bei 32°C italienische Autobahnkilometer fressen.

Slovenien

Wir stoppten bei Franja, Rada und Sandra in Ankaran in Slovenien und gingen - zum ersten Mal seit langem und auf grossen Wunsch der Kinder - wieder im Meer Baden.

Aber so ganz richtig weg, auf Weltreise, waren wir noch nicht - das Gefühl war noch nicht da.

In der Nacht fuhren wir weiter nach Ljubljana und übernachteten auf einem Parking in den Bergen vor Zagreb.

Serbien

Am nächsten Tag Schule und Fahren, Fahren, an der serbischen Grenze durch wunderbar hohe an Tolkien erinnernde Eichen- Urwälder.

Wir halfen einem serbischen Pärchen den Reifen an ihrem Auto zu wechseln und kamen spät in der Nacht bei Srpće und Iva an.

Bei Familie Nastasiević

Dann fuhren wir weiter nach Svrljik zu Rada, Radoslav, Vladica und Lubiša und dort reparierte ich fast eine Woche lang zusammen mit Vladica und einem lokalen Tischler den Camper. Alles Holz, welches das Gerüst des vorderen Camper Aufbaus bildet war total verfault. Wir haben es mit Akazien- Holz ersetzt.

Serbien ist Europa, die Menschen leben in Häusern, aber trotzdem, die Lebensbedingungen der Menschen dort sind für uns aus der Schweiz kaum vorstellbar.

Bei der Familie Nastasiević, bei der wir eine Woche lang sein durften hat einzig einer der Söhne eine feste Arbeit, mit welcher er die ganze Famile ernährt. Er verdient um die 8 Euro pro Tag. Dabei sind die Preise in Serbien zwar vielleicht um die Hälfte tiefer, aber ein Liter Benzin kostet gleich wie bei uns. Das heisst, der Sohn arbeitet eine Woche lang für eine Tankfüllung. Er arbeitet eine Stunde lang für eine Flasche Cola. Der andere Sohn hat schon seit Jahren keine Arbeit.

Somit sind in Serbien, zumindest ausserhalb der Hauptstädte, wohl die allermeisten Selbstversorger. Im Garten wachsen Tomaten, Zwiebeln, Paprika, Kartoffeln, Bohnen, Knoblauch etc.

Nach einer Woche Arbeit am Camper bei den Nasevics sind wir wieder aufgebrochen. Und damit hatten wir unvermittelt einen ersten Teil der Reise abgeschlossen. Lebt wohl liebe Leute und bis in einem Jahr.

Das Schlucht durch welche man von Nis aus nach Sofia fährt ist sehr pitoresk und es würde sich lohnen dort Mal später mit dem Schlauchbot durchzupaddeln.

Armut

Ein Thema das meine beiden Kinder sehr beschäftigt hat ist die relative Armut unterwegs.

Die Frage "warum sind die Menschen arm hier?" erreicht sofort die Grenze meines Wissens. Ich erkläre die ungefähre Geschichte der Gegend: Römer, Byzanz, Ottomanen vor Wien, dann das Östereichische Kaiserreich, Adel, Aristokratie und die daraus resultierenden riesigen Unterschiede im Wohlergehen der verschiedenen Gesellschaftsschichten und schlussendlich den Kommunismus als Reaktion. Den Unterschied des Gesellschaftsvertrages zwischen dem Kommunismus und der parlamentarischen Demokratie bzw. der Martwirtschaft.

Dann den Geldfuss und welches riesige, hemmende Problem ein Mangel an Geld in einer Gesellschaft darstellt, das es den Menschen verunmöglicht sich gegenseitig ihre Arbeit und Erzeugnisse zu verkaufen und so in Wohlstand zu leben.

Bald läuft Taistos Kopf über von meinen geschichtlichen und wirtschaftstheoretischen Erklärungen, er wird müde und dann fahren wir nur noch auf der Autobahn und schauen auf die Landschaft und Siedlungen draussen.

Martin und Jan

Auf der Fahrt, an diesem wiederum wolkenlosen, heissen Tag mit blauem Himmel treffen wir in Sofia an der Strasse zwei Tramper, Martin und Jan, Vater und Sohn (11), mit einem Schild "Istambul" und nehmen sie mit.

Die beiden sind innerhalb von nur zwei Tagen von Krakau nach Sofia zu autogestoppt und sind nach Teheran unterwegs.

Martin übernimmt für eine Weile das Steuer übernommen und ich mache mit den Kindern Schule. Die Kinder spielten laut und mit Lust Flöte - eine Härteprüfung für den Fahrer.

Türkische Wegelagerer

Da ich bis dahin von meiner Versicherung keinen internationalen Auto-Haftpficht-Ausweis bekommen hatte ("Green Card") werde ich an der türkischen Grenenze so richtig ausgenommen und darf für einen Monat Autohaftpflicht 200 Euro da lassen (in der Schweiz 300 CHF auf's Jahr). Vielleicht ein Vorgeschmack an die vielen anderen Wegelagerer aka "Staatsgrenzen", die wir durchfahren werden.

Türkei

Knapp nach der Grenze übernachten wir an einer Tankstelle. Martin stellt sein sein selbstenfaltendes Zelt auf einem Fleckchen Grass direkt vor der Schnauze unseres Campers auf und schläft dort mit Jan.

Die Türkei scheint ein grösstenteils leeres Land zu sein: eine riesige Ebene mit lang gezogenen Erhebungen und Tälern, Felder nach Feldern nach Feldern, kaum je ein Mensch oder eine Siedlung.

Wie schon letztes Mal mit Dorota, fängt Istambul schon Stunden vor der eigentlichen Stadt an. Wir fahren ans Meer und baden. Die Kinder geniessen es sehr und spielen vergnügt. Ich übe Schwimmen mit Katalin, sehr schnell checkt sie das Grundprinzip, dass man mit dem Kopf im Wasser liegen soll und Luftblasen machen soll und nur für's Einatmen auftauchen soll. Sie schwimmt neben mir selbständig ans Land.

Das Wasser ist angenehm warm und der Boden total veralgt. Es scheint als stehe das Meer ganz kurz vor dem Sauerstoff-Kolaps. Ich sehe einen einzigen Fisch, aber es hat extrem viele Muscheln.

Am Abend kommen wir in Istambul an. Der Verkehr steht still, alle Strassen sind aufgefüllt. Martin navigiert mich mit dem Camper in die Altstatt. Von allen Seiten laufen Leute über die Strasse, es ist mega eng, knapp breit genug, dass der Camper durchmag und die Istambuler hupen im gleichen Augenblick in dem man eine Sekunde innehält um im Rückspiegel zu checken, ob man es noch schafft neben einem Stand durchzukommen. Knapp schaffen wir es nicht die Strasse zu blockieren vor einer Eisenbahnunterführung, welche für den Camper zu tief ist.

Martin schafft es, uns da wieder an die Uferstrasse, den "Kennedy Caddisi" rauszubringen. An einem für's Übernachten geeigneten Parkplatz verabschieden sich Martin und Jan. Ein zweiter Abschnitt der Reise endet.

Tomáš Pospíšek, 2013-09-01

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